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Winterstarre

Europäische Landschildkröten wie die Griechische Landschildkröte halten jährlich eine Winterstarre (oft fälschlicherweise auch als Winterschlaf bezeichnet). Die Winterstarre halten Griechische Landschildkröten (Testudo hermanni) bereits ab dem ersten Jahr – also gleich nach dem Schlupf. Das sollte man in Gefangenschaft unbedingt ebenfalls ermöglichen, da die Tiere in Freiheit auch keine Wahl haben und die Winterstarre gehört zum Leben der Schildkröten dazu. Aber wie funktioniert die Winterstarre bei Schildkröten genau, also was muss man als Halter tun?

3 Monate vor der Winterstarre

Es steht der Gang zum Tierarzt (spezialisiert auf Reptilien) an. Der Tierarzt untersucht die Landschildkröten auf Parasiten und Krankheiten. Hierzu gibt man dem Tierarzt von jedem Tier eine Kotprobe. Diese sollten nicht älter als zwei Tage sein. Am besten erhält man diese beim Baden der Tiere. Anschließend in eine alte Filmdose und einen Tropfen Wasser dazu damit es nicht austrocknet. So übergibt es man direkt dem Arzt.

Ist mit den Tieren alles in Ordnung, kommen sie bis Oktober / November zurück in ihr Freiland. Stellt der Tierarzt Parasiten oder Krankheiten fest, muss das Tier unbedingt in Quarantäne und darf nicht zu den anderen Tieren. Wenn sich die Probleme zu lange hinziehen, muss bei einem schwachen Tier auf die Überwinterung verzichtet werden. Auf keinen Fall darf man kranke oder schwache Tiere in die Winterstarre gehen lassen. Sie würden es höchstwahrscheinlich nicht überleben. Gesunde Tiere sind in der Winterstarre sehr gut aufgehoben und ihnen kann eigentlich nichts passieren.

1 Monat vor der Winterstarre

Wenn man die Tiere im Terrarium auf die Winterstarre vorbereitet, muss man dies langsam machen. Die beste Vorbereitung passiert aber im Freiland. Da muss der Mensch nicht nachhelfen und einfach nur aufpassen das die Tiere nicht in Frost geraten. Ansonsten muss man nichts beachten. Im Terrarium jedoch beginnt man die Beleuchtungsdauer schon einen Monat vorher auf etwa vier Stunden am Tag zu reduzieren. Nachts gibt man den Tieren nicht mehr viel Wärme zusätzlich. Man versucht bei etwa 14 Grad zu bleiben. Durch die kühleren Nächte und die kürzeren Tage wird das Tier auch mit der Zeit immer weniger Fressen zu sich nehmen und irgendwann komplett damit aufhören.

3 Wochen vor der Winterstarre

Die Schildkröten fressen jetzt kaum noch und das Licht wird nur noch zwei Stunden am Tag zugeschaltet. Im Wohnzimmer kann ein Terrarium jetzt nicht mehr stehen. Die Tiere brauchen unbedingt kalte Tage und die Nächte sollten nur noch etwa 10 Grad haben. Solche Temperaturen hat man aber nur ungern im Wohnzimmer. Im Keller oder der Garage sind solche Nachttemperaturen im November oft anzutreffen. Tagsüber sind die Temperaturen jetzt nur noch bei ca. 18 Grad – keinesfalls mehr über 20 Grad.

14 Tage vor der Winterstarre

Den Tieren wird keine Beleuchtung mehr zur Verfügung gestellt und natürlich erst Recht keine Wärme. Futter bleibt aus. Abgesehen davon das die Tiere schon jetzt auch allein nicht mehr fressen, sollte man ihnen auch keine Möglichkeit mehr dazu geben. 12 Tage vor Winterstarre wird jedes Tier ordentlich gebadet. Jetzt entleeren die Tiere ihren Darm. Drei Tage später – also 9 Tage vor Winterstarre – steht erneut ein Bad für jedes Tier an. Während des Badens ist Zugluft im Raum absolut zu vermeiden um keinen Schnupfen mehr zu provozieren.

Die letzte Woche vor der Winterstarre

Jedes Tier kommt in eine eigene Box mit leicht feuchter Gartenerde. Das Tier wird auf die Erde gesetzt und über die Tiere kommt eine Schicht Laub. Um die Luftfeuchtigkeit in den Boxen angenehm zu halten, sollte man ein feuchtes Handtuch „halb“ über die Kisten legen. Nicht ganz abdecken damit die Tiere noch ausreichend Luft erhalten. Die Temperatur im Kühlschrank sollte zwischen 4 bis 6 Grad bei der Testudo hermanni sein. Die Tiere graben sich alle in die Erde ein und überwintern darin für die nächsten Monate.

Kontrolle der Tiere

Da die Tiere nun für drei bis fünf Monate in der Winterstarre sind, muss man sich davon überzeugen das alles in Ordnung ist. Nach vier Wochen werden die Tiere kurz gewogen. Dazu nimmt man jedes Tier nacheinander aus der Box, setzt es auf die Waage und legt es direkt zurück in die Box. Kurz die Gewichte notieren und fertig. Man kann auch ein Bein antippen und auf Reaktion warten. Manche Tiere reagieren nur sehr schwach, andere auch gar nicht. Auf keinen Fall sollte man sich beunruhigen lassen. Wenn die Tiere kein Gewicht verlieren, scheint alles OK zu sein. Eine minimale Gewichtsreduzierung von wenigen Gramm (2 – 10) ist normal. Man wiegt die Tiere dann nach drei Monaten noch einmal. Mehr als zwei Störungen sollten in der Winterstarre nicht gemacht werden.

Ende der Winterstarre

Verliert ein Tier zu viel Gewicht, wird es genau so ausgewintert wie immer – nur früher. Die Auswinterung ist ziemlich einfach. Die Tiere werden mit ihren Boxen in einen kühlen Raum gestellt. Der Raum darf zwischen 10 bis 14 Grad haben. Dort bleiben die Tiere eine Woche stehen und gewöhnen sich langsam daran. Im Prinzip der Prozess rückwärts, den man zwei Wochen vor der Winterstarre tat. Alle Tiere werden nach einer Woche gebadet. Nach dem Bad kommen die Tiere ins Übergangsterrarium oder sogar direkt ins Freiland. Ich bin ja fürs Freiland, denn hier kommen die Tiere artgerecht auf Touren. Im Terrarium würde man nun langsam die Beleuchtung steigern. In der ersten Woche gibt es 4 Stunden am Tag Licht, in der zweiten Woche schon 6 Stunden und in der dritten Woche bereits volle Leistung bei 10 Stunden täglich. Bis dahin sollten die Tiere aber wirklich schon ins Freiland. Dort fühlen sie sich wohl!

Nun fangen die Tiere auch bald an zu fressen und Griechische Landschildkröten warten nicht lange darauf, bis sie erstmals auf die Weibchen steigen und die Paarung starten. Alle Tiere sollte man jetzt genau beobachten. Ständiges baden ist zu unterlassen. Viele Halter baden ihre Tiere zwei bis drei Mal im Monat, aber das ist Quatsch. Die Tiere haben immer Wasser im Freiland und können jederzeit trinken. Außerdem sollte ein kleiner „Teich“ eingerichtet werden um freies Baden zu ermöglichen. Künstlich nachhelfen muss niemand. Das macht die Natur auch nicht. Nach dem Sommer steht dann wieder der Gang zum Tierarzt an und die gesamte Prozedur wiederholt sich… :-)